Kein Thema könnte schwieriger zu fassen sein,
als die Freundschaft.
Jeder von uns hat darüber bestimmt etwas zu berichten. Und häufig erzählen wir in feucht, fröhlichen Runden besonders gerne, aus den besten Momenten einer Freundschaft.
Ich werde dennoch versuchen das Thema besonders kritisch zu betrachten.
Also was ist Freundschaft? Jeder würde wohl sagen, Kinder lernen sich auf irgendeine Weise kennen und bleiben ihr Leben lang befreundet. Dagegen kann man ja auch nichts haben, schließlich klingt das wundervoll. Zusätzlich sind fast alle Filme so aufgebaut, egal von welchem Kontinent. Aber entspricht das der Wahrheit? Ist das nicht ein altes Bild, aus einer Zeit in der man in einem überschaubaren Dorf geboren wurde, den Ort nie verlässt, um dann mit 60Jahren zu sterben?
Ich gewähre Ihnen einen Einblick in eine Freundschaft, von der ich dachte sie hält ein Leben lang.
Fünf Jungs im Alter von ca. 12 Jahren - man kannte sich länger, aber das ist eine wichtige Momentaufnahme - aus unterschiedlichen Häusern, aber sehr ähnlichen sozialen Schichten. Wenn ich zurück Blicke dann auch jeweils aus Elternhäusern, die sich nicht getrennt haben. Diese Fünf Jungs machten alles zusammen. Handy brauchte man nicht, man wollte nichts anderes als draußen rumlungern und leben. Diese Freundschaft ging viele, viele Jahre. Verstehen sie mich bloß nicht falsch, es gab sicherlich viele Streitereien und sonstige kleinen Markel, aber man blieb zusammen, war sich sehr treu. Was kann solch eine Freundschaft schon zerstören, dachten sich die naiven Köpfe und prosteten sich mit 1,5Liter Flaschen Sangria zu?
Ich sage ihnen, diese Freundschaft - und alle Freundschaften - kann viel zerstören. So gern, ich jetzt die Schuld auf eine Frau schieben würde, die sich zwischen den beteiligten durchschlängelt und zur Verführung winkt, desto mehr muss ich dieser Geschichte gestehen, dass keine Frau am Bruch der Freundschaft unserer fünf Protagonisten Schuld trägt. Vielmehr ist die Schuld bei den Einzelnen zu sehen, bzw. ist eine Schuldzuweisung nicht gerechtfertigt, weil der Bruch einer Freundschaft keine Straftat ist.
Was führte also zur Trennung? Die Antwort ist Simpel. ZEIT!
Zeit heilt nicht nur alle Wunden, sie ist auch in der Lage Haarisse zu gewältigen Brüchen werden zu lassen. Unsere fünf haben sich etwa im Alter von 22Jahren getrennt, manche mehr und manche weniger intensiv. Der Hauptgrund die Zeit, im Detail das "persönliche Ich". Dieses "persönliche Ich", sorgt dafür dass man im Gegensatz zum Kind sein, wo man alle Macken eines Freundes tolleriert, plötzlich dazu nicht mehr in der Lage ist. So kommt es wie aus der Pistole geschossen, dass man sich plötzlich keine drei Sätze mehr sagen kann, obwohl man früher stunden lang am Baggersee "babbelte". Das "personliche Ich", kann noch mehr, es lässt uns egoistisch werden und verstärkt unseren Drang zur Profilierung. Das verträgt keine Freundschaft. Freundschaft ist wie eine Beziehung zu einem Partner. Sie ist vielleicht in unserem Fall, wie eine Partnerschaft mit fünf Beteiligten. Das ist schwer vorzustellen, oder? Aber das muss der Grund sein. Ich sage hier aber nicht, dass es keine Freundschaft gibt. Es gibt meiner Meinung nach nur sehr selten "wahre" Freundschaften ein Leben lang. Wie sollte das auch funktionieren? Der Mensch ist in ständiger Veränderung, dort gehen Freundschaften und neue kommen. Nichts zu befürchten. Zum richtigen Moment, die richtige Freundschaft.
Und trotz allem haben unser Fünf sich manchmal noch richtig gern.
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